Mittelalterliche Architektur

Freyburg, bekannt und als Winzerstadt gern besucht, birgt viele Zeugen seiner bis ins hohe Mittelalter zurückreichenden Geschichte - ein Städtchen mit viel verstecktem Charme.

Die Stadtanlage wirkt bis auf eine Ausbauchung um die Stadtkirche herum erstaunlich regelmäßig rechtwinklig. Dies muss als Hinweis auf eine planmäßige Gründung des späten 12. Jahrhunderts gewertet werden. Zahlreiche Brände haben die bauliche Entwicklung der Stadt beeinflusst (1515, 1551, 1608, 1678).

Ähnlich wie Naumburg oder Laucha besitzt auch Freyburg noch einen nahezu intakten Stadtmauerring, der - etwa 1200 m lang - eine Fläche von ca. 85000 m² umschließt.

Die Nennung Freyburgs als "civitas" im Jahre 1261 muss nicht zwangsläufig als ein Hinweis auf das Vorhandensein einer Stadtmauer verstanden werden. Sicher ist aber, dass man an einer solchen seit der zweiten Hälfte des 14., vor allem aber in der Mitte des 15. Jahrhunderts arbeitete. Die Mauer aus Bruchsteinmauerwerk besaß einen hoch gelegenen Wehrgang. Noch zwölf runde Türme springen vor der Mauerflucht. Diese besitzen Schießscharten in mehreren Ebenen. Angelsteine bezeugen, dass diese Scharten einst mittels hölzerner Läden verschließbar waren.

Besonders gefährdet waren natürlich die Tore: das Obertor im Norden, das Kirchtor im Südosten, das Eckstädter Tor im Südwesten. Charakteristisch für die Tore sind neben Tortürmen, dem eigentlichen Torbogen innerhalb der Stadtmauer vor allem die vorgelagerten Befestigungen, sogenannte Barbakane. Allein am Eckstädter Tor ist diese noch weitgehend erhalten (Parallelen: Marientor in Naumburg, Tor in Laucha). Zu erwähnen sind auch zwei kleinere Pforten im Süden und im Osten der Stadt - wie die Torbauten zumeist im 19. Jahrhundert abgebrochen. Bemerkenswert sind die sogenannten "Hosenscharten", Schießscharten mit einer Öffnung innen und mehreren (mindestens zwei) auf der Außenseite.

Ein Gang rund um die Stadtmauer lohnt sich. Noch ist er freilich nicht überall möglich, doch das soll sich in absehbarer Zeit ändern.

Das Rathaus befindet sich im Zentrum der Stadt, am Marktplatz: In seinem Kellergeschoss könnte noch ein aus spätromanischer Zeit stammender Raum überdauert haben. Damals hat es noch keine Rathäuser im modernen Sinne gegeben. Vielleicht diente der Bau zu jener Zeit als Verwaltungssitz eines landgräfischen Beamten. Für 1425 ist der Neubau des Rathauses überliefert. Von diesem Gebäude steckt noch mancherlei im heutigen Rathaus. Das jetzige Erscheinungsbild ist aber geprägt durch Umbauten nach den Stadtbränden von 1551 und 1682. Die Gewölbe des Ratskellers entstammen dem späten Mittelalter.

Verwaltungssitze des Amtes Freyburg befanden sich in der Herrenstraße 7 und in der Marienstraße 4: das Amtshaus nach der Verlegung von der Neuenburg in die Stadt im Jahre 1592, vermutlich an Stelle einer Terminei der Sangerhäuser Augustinerchorherren, die Amtsschreiberei seit 1633 bis 1715/16 in einem Haus mit mittelalterlichem Kern und Portal von 1552.

Die meisten steinernen Häuser der Altstadt sind erst nach den Stadtbränden vom 16. bis zum 18. Jahrhundert entstanden. Dennoch haben auch einige ältere Häuser überdauert, so am Marktplatz die Nr. 14 mit einem reich verzierten Portal von 1554. Erst im Jahre 2001 wurde am Marktplatz ein spätgotisches Haus neu entdeckt, weiteres ist zu vermuten, wie die zahlreichen mittelalterlichen Keller nahelegen.

Gegründet als Nachfolger der älteren Kilianskirche um 1220/30 von Landgraf Ludwig IV. und seiner Frau, der heiligen Elisabeth, darf die Stadtkirche St. Marien als bedeutenstes Baudenkmal Freyburgs bezeichnet werden. Die Basilika mit westlicher Doppelturmfassade sowie quadratischem Vierungsturm wurde in spätromanischen Formen errichtet, die stark von niederrheinischen Vorbildern geprägt sind. Sie besitzt viel Ähnlichkeit mit dem nahe gelegenen Dom in Naumburg. Nachdem die romanische Hauptapsis um 1400 durch einen hochgotischen Chor ersetzt wurde, stockte man das Langhaus um 1500 zur Halle auf. Beeindruckend ist die dadurch gewordene Symbiose zwischen romanischen und gotischen Bau- und Zierformen.

Südlich der Kirche wurde im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts in einer Ecke der Stadtmauer das sogenannte "Rektorat" errichtet, das - 1617 und 1834 umgebaut - heute der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Außerhalb der Stadtmauern nördlich des Obertores steht das Laurentius-Hospital, das seit dem späten Mittelalter nachweisbar ist. Das Kerngebäude dürfte im 18. Jahrhundert entstanden sein und wurde kürzlich in einen Neubau einbezogen.

Neuenburg

Die neben der Wartburg bedeutendste Burg der Landgrafen von Thüringen hat erstaunlich viel Bausubstanz von etwa 1090 bis 1240 bewahrt, darunter die kunstgeschichtlich wertvolle Doppelkapelle, zwei runde Bergfriede, Wohnbauten, Ringmauern. Das heutige Erscheinungsbild der oberhalb Freyburgs gelegenen Burg wird indes stark von gotischen, Renaissance- und barocken Umbauten geprägt.

Autor: Reinhard Schmitt